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International Baccalaureate 2010 am Gymnasium St. Leonhard
An einem windigen Herbsttag dieses Jahres zog es Charlotte von Werder, Lisa Schmidtfall und Yassamin Djalali-Talab noch einmal zu ihrem „alten“ Gymnasium an der Jesuitenstraße. Aus der Hand von Annette Hagelstange, Leiterin des IB-Zweiges, nahmen sie das begehrte Zertifikat entgegen, mit dem ihnen ein Internationales Abitur bescheinigt wird. Beglückwünscht vom neuen Schulleiter Stefan Menzel stellten sie sich mit berechtigtem Stolz den Fotografen. Auf das „International Baccalaureate“, kurz IB, werden die Schüler/innen dieses Zweiges von speziell geschulten Lehrerinnen und Lehrern des Gymnasiums St. Leonhard zwei Jahre lang vorbereitet, und dies parallel zum ganz normalen Schulunterricht in den Jahrgangsstufen 12 und 13. Vergeben wird das renommierte internationale Reifezeugnis von der „International Baccalaureate Organization“ (IBO), die die Lehrpläne für das Internationale Abitur erstellt und ihre Umsetzung kontrolliert.
Die IBO ist eine sogenannte Non-Profit-Organisation, nach dem Zweiten Weltkrieg von Pädagogen gegründet, denen eine völkerverbindende, internationale schulische Erziehung besonders am Herzen lag. Inzwischen bietet die Gesellschaft mit dem Hauptsitz in Genf das Internationale Abitur in 139 Ländern an. Dieser spezielle, anspruchsvolle Abschluss garantiert Schülerinnen und Schülern, dass sie anschließend ein Studium an nahezu jeder englischsprachigen Hochschule der Welt aufnehmen können. Wie ist das Resümee der drei IB-Schützinnen, die 2008 auf den internationalen Zug aufstiegen? Keine von ihnen hat diese Entscheidung bereut. Anfängliche Befürchtungen, die zusätzlichen Belastungen durch den Unterricht im IB-Zweig könnten einen negativen Einfluss auf die Vorbereitung für das „Normalabitur“ haben, haben sich nicht bestätigt – im Gegenteil; es ergab sich eine Art Synergie-Effekt: Die Kenntnisse in den „Normalfächern“ färbten positiv auf die IB-Kurse ab und umgekehrt. Der Arbeitsaufwand für das Internationale Abitur und die besonderen Leistungen, die den Schülerinnen und Schülern abverlangt wurden, manifestierten sich in einem gewachsenen Selbstvertrauen und ergaben auch einen zusätzlichen Ansporn für mehr Engagement im sonstigen Unterricht.
Was hat den drei internationalen Abiturientinnen außerdem an ihrem IB-Zweig besonders gefallen? Das ist neben der individuellen Betreuung in idyllisch kleinen Lerngruppen – zwei Schüler und vier Schülerinnen besuchten die IB-Kurse dieser Jahrgangsstufe – das besondere Engagement ihrer Lehrerinnen und Lehrer sowie die kreativen, sozialen und sportlichen Einsätze, die im Rahmen von CAS von ihnen gefordert wurden. Für den Programmbestandteil CAS (Creativity, Action, Service) müssen IB-Schüler und Schülerinnen insgesamt 150 Stunden sportliche, musisch-künstlerische oder sozial-karitative Aktivitäten nachweisen. Diese außerunterrichtlichen Projekte dienen getreu dem ganzheitlichen pädagogischen Ansatz der IBO der Horizonterweiterung und letztlich der Persönlichkeitsbildung jedes einzelnen Teilnehmers. Was Lisa, Yassamin und Charlotte aufgrund von CAS alles gelernt und unternommen, wo sie geholfen haben, das ergibt eine beeindruckend bunte Palette von reizvollen wie sinnvollen Möglichkeiten. Im sportlichen Bereich reichen diese von Capoeira, einer Art Kampftanz, über Springreiten bis hin zum Skilaufen, das in Ermangelung heimatlicher Berge kurzerhand in der Skihalle Neuß gelernt wurde. Sozial-karitative Projekte wurden in Altenheimen oder Kindergärten verwirklicht; Lisa hat sogar in einem der Kindergärten von Shanghai Englisch unterrichtet. Und die kreativen Aktivitäten begannen in der Schule, beim Gestalten der Abiturzeitung oder bei der Organisation der Karnevalsfeier, und endeten mit Freihandzeichnen, Kalligrafie oder gar der Betreuung einer Tanzgruppe („mit zwei Einzelmariechen“) bei der KG Burscher Jonge in Alsdorf. Der neue Jahrgang von 12er IB-Schützen besteht aus sechs Schülerinnen und Schülern; auch die Jahrgangsstufe 13 durchlaufen zur Zeit sechs IB-Aspiranten. Wer jetzt die Jahrgangsstufe 11 besucht und Interesse an diesem interessanten und anspruchsvollen Ausbildungsgang hat, darf sich gerne mit Frau Hagelstange in Verbindung setzen. Und wie geht es nun weiter mit Yassamin, Charlotte und Lisa? Lisa Schmidtfall plant ganz bodenständig, in Aachen die Fächer Deutsch und Englisch zu studieren – „auf Lehramt“. Yassamin Djalali-Talab hat die Qual der Wahl, denn sie hat eine Zulassung für gleich drei Universitäten erhalten, in Aachen, in Heidelberg und an der Internationalen Uni in Singapur. Für Letztere hat sie sich durch Teilnahme an einer Chinesisch-AG an St. Leonhard gerüstet. Charlotte von Werder wird getreu dem Image einer „internationalen Abiturientin“ die Reiseschuhe schnüren – ab November geht es mit einer Freundin auf Weltreise, diese soll ein halbes Jahr dauern und auf alle Kontinente führen. Drei weitere internationale Reifezeugnisse des Abiturjahrgangs 2010 hat die Post zustellen müssen - Christoph Waßmuth, Anna Kalde und Marlo Wockenfuß waren im September schon „in alle Winde verstreut“. Wir wünschen ihnen wie auch Lisa, Yassamin und Charlotte nach ihrem erfolgreichen Start weiterhin gutes Fortkommen auf dem schnellen Zug in die weite Welt. Vera Kühn |






