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„Spurensuche“ – Wie ein Aachener und ein Kölner Erdkundekurs gemeinsam zwei Häfen eroberten
„Strukturwandel in Häfen“ – wie vermittelt man ein solches Thema anschaulich, lebensnah, handlungsorientiert und schüleraktivierend, und das alles in einer Stadt wie Aachen, deren nahezu einziges fließendes Gewässer unsichtbar und unterirdisch sein trübes Dasein fristet?
Ein reizvolles und wirklich außergewöhnliches Projekt wurde daraus Ende April dieses Jahres in einem 11er Erdkunde-Grundkurs am Gymnasium St. Leonhard. Zum genannten Thema organisierten 21 Schüler und Schülerinnen von Fabrice Liesegang eine „Spurensuche“, die den MedienHafen Düsseldorf von seiner Entstehung im 19. Jahrhundert bis heute gleichaltrigen Schülern nahebringen sollte. Mithilfe von Vorträgen zu Themen wie „Architektonische Projekte im Hafengebiet“ oder “Entwicklungs- und Erweiterungsperspektiven des Hafens“ sowie Luftbildanalysen wurde der ehemalige Schifffahrts-Knotenpunkt und heutige Medienstandort auf Herz und Nieren gecheckt.
Bei der Spurensuche mussten fotografierte Reliquien des alten Hafens, z. B. eine „antike“ Bahnschiene, und Elemente des aktuellen Hafengebietes vor Ort wiedergefunden werden. Zielgruppe für diese anspruchsvolle Vermittlung waren nicht etwa die eigenen Mitschüler, sondern ein Erdkunde-Kurs des Kölner Apostel-Gymnasiums. So verging der Vormittag im trendigen Düsseldorfer Hafenviertel, das jetzt Bürostandort, Architekturmeile, Gastronomiehochburg und Dienstleistungszentrum ist, in den gemischten Köln-Aachener Gruppen wie im Flug.
Die 19 Kölner Schüler/innen durften sich natürlich auf der Arbeit der Aachener nicht einfach ausruhen; als Gegenleistung hatten sie den heimischen Rheinauhafen erkundet und sich für ihre Gäste die tollsten Aufgaben einfallen lassen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen – stilvoll nach Geografen-Art im Kölner Hauptbahnhof – war schon bald wieder neues Gewässer in Sicht. Mit verbundenen Augen wurden die St. Leonharder Schüler/innen durch den Hafen geleitet, der inzwischen seine Bedeutung als pulsierender Güterumschlagplatz eingebüßt hat und jetzt das städtbauliche Vorzeigeprojekt Kölns ist. Nach ihrer Hörerfahrung sollten die Teilnehmer eine Art Geräuschkarte des Geländes erstellen. Schließlich war jedem aufgefallen, dass die Lautstärke schlagartig zunimmt, wenn man zwischen zwei Häuserreihen hindurch die Straße betritt, die parallel zum Hafen verläuft.
Auf zwei Kilometern Länge erstreckt sich unter den denkmalgeschützten Hafenanlagen ein Parkhaus, das neben seinem unmittelbaren Nutzen auch als Überflutungsbecken dienen kann, um die Stadt vor Überschwemmungen zu schützen. Aufgabe für die Aachener war es hier, eine Verkehrszählung durchzuführen: Anhand der Kennzeichen an den PKWs konnte die regionale Verteilung der Parkhausnutzer ermittelt und später anschaulich dargestellt werden.
Ein Suchauftrag mit dem geheimnisvoll verschlüsselten Hinweis „Hier regieren die Frauen“ gab den St. Leonhardern eine harte Nuss zu knacken. Schließlich ist ein Hafen traditionell typisches Männer-Revier. Natürlich konnte aber den Schülerinnen und Schülern nicht lange verborgen bleiben, dass sich die legendäre Feministinnen-Zeitschrift „Emma“ ausgerechnet den Wehrturm mitten im Hafen als Redaktionssitz auserkoren hat.
Auch für Fußball-Enthusiasten hatte der Nachmittag in Köln seinen besonderen Reiz: Hat doch Gerüchten zufolge Nationalspieler Lukas Podolski sein Domizil irgendwo in dem 170 Meter langen ehemaligen Lagergebäude aufgeschlagen, das wegen seiner sieben Giebel auch „Siebengebirge“ genannt wird. Leider wollte sich der Star-Stürmer nicht dazu herablassen, den Aachener Fans von seinem Penthouse aus zuzuwinken.
Als die St. Leonharder Gruppe abends um 19 Uhr endlich wieder in den Aachener Heimathafen einlief, waren die Schüler „platt“, wie Fabrice Liesegang es unumwunden ausdrückte.
Trotzdem kannte die große Hafen-Exkursion am Ende nur Gewinner: Herr Liesegang freut sich, dass sein Grundkurs in kurzer Zeit viel relevantes Fachwissen über den Strukturwandel von Häfen „erfahren“ hat, die Schüler/innen der beiden beteiligten 11er-Kurse hatten einen intensiven, erlebnisreichen Tag mit vielen neuen Kontakten, und nicht zuletzt wird Christoph Schmitz, ehemals im Rahmen der „Geld-statt-Stellen“-Aktion Erdkunde-Lehrer an St. Leonhard, jetzt Referendar am Apostel-Gymnasium Köln, seine Examensarbeit zum Thema „Förderung der Selbstständigkeit von Schülern im Erdkunde-Unterricht“ wahrscheinlich mit einer erfreulichen Note zurückbekommen. Alle, die sich noch an Herrn Schmitz erinnern, auf jeden Fall aber die Schüler des 11er Erdkunde-Kurses, drücken ihm dafür bereits kräftig die Daumen.
Vera Kühn
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