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Dass der scheidende Schulleiter seine Wirkungsstätte nachhaltig geprägt hat – das konnte und wollte keiner der geladenen Gäste aus Elternschaft, Schülerschaft, Kollegium, aus dem Studienseminar, der Stadt Aachen oder der Bezirksregierung Köln bestreiten. Ganz im Gegenteil: Gewaltig groß sind die Fußabdrücke, die Günther Dick in der Aachener Schullandschaft hinterlässt.
Innerhalb von nur zehn Jahren hat er aus dem traditionsreichen Gymnasium St. Leonhard eine junge, weltoffenen Schule geformt. Ernsthaft und humorvoll ließen alle Rednerinnen, so Schuldezernentin Margarethe Radermacher, Aachens Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer und die stellvertretende Schulleiterin Beatrix Bartz, diese Jahre und ihre Errungenschaften Revue passieren. Zum Vergnügen des Auditoriums zitierte die Dezernentin indiskret aus frühen Beurteilungen des jungen Mathematik- und Physiklehrers Günther Dick, dessen Unterricht dort unter anderem die „akademische Überfrachtung“ vorgeworfen wird.
Die Vorwürfe der stellvertretenden Schulleiterin richteten sich eher an Christel Dick, deren gemeinsame Mußestunden mit dem Ehemann in den Jahren seiner Schulleitertätigkeit wohl gezählt waren. Bei allem Respekt vor dem enormen Fleiß des Chefs: „Manchmal hätten wir uns doch gewünscht, Sie hätten ihn ein wenig öfter zu Hause festgehalten“.
Pointiert und witzig nahm Mittelstufenkoordinatorin Rosemarie Kraft markante Eigenheiten des Direktors auf die Schippe. In der Rolle einer Chefsekretärin öffnete und kommentierte sie an den Chef adressierte fiktive Briefe. Da bittet die Firma „Formblitz“ Herrn Günther Dick, seine Kreativität beim Abfassen neuer Formular-Entwürfe („Ihr Kollegium hat in großer Dankbarkeit auch außerhalb Aachens darüber berichtet.“) in Zukunft der deutschlandweit tätigen Firma zur Verfügung zu stellen. Und die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ wirbt eindringlich um die Mitgliedschaft des stilbildenden scheidenden Schulleiters: „Es ist nicht zu übersehen, wie am Gymnasium St. Leonhard ein Sprachwandel stattgefunden hat. Im Sinne einer corporate identity hat sich eine Art Leo-Dick-Sprache entwickelt. Sie als Vorbild gaben den input, dem dann Lehrer und Schüler folgten….“ Ja, wer kennt und genießt sie nicht, die metaphernreiche Leo-Dick-Sprache? „Auch Lieschen Müller wird zeitnah wissen, dass wir sie ins Boot holen … Haben wir das erst mal gestemmt, so ist alles in trockenen Tüchern...“
Die Fachschaft Mathematik parodierte eine launige Fachkonferenz in beeindruckend schwer verständlicher Formelsprache, bei der allerdings der immer wieder verzweifelt gesuchte Chef bis zum Schluss – wohl aus gutem Grund - abgängig blieb.
Ein Feuerwerk der Kreativiät ließen auch Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums St. Leonhard zu diesem festlichen Anlass funkeln: Unbeschwert beschwingt gab der Unterstufenchor unter der Leitung von Musiklehrer René Rolle dem Direktor musikalisches Geleit auf seinem Weg ins „Altenteil“. Fetzig und mitreißend intonierte die Big-Band, dirigiert von Markus Bartz, ihr „Jailhouse Rock“ oder „I feel good“. Bei deutlich über 30 Grad Außentemperatur glänzte die Hip-Hop-AG mit erstaunlicher Bewegungsfreude, das Improvisationstheater erfand zu Stichworten seines Leiters Tobias Willmann immer neue verblüffende Szenen aus dem Stegreif.
Auch die Elternschaft ließ es sich nicht nehmen, in musikalischer Form schwungvoll die Innovationen und überraschenden Ideen des Günther Dick – von der Einführung des Ganztags bis zum Beachvolleyball-Feld auf dem über Nacht begrünten Schulhof - heraufzubeschwören: „Mamor, Stein und Eisen bricht, aber wir vergessen nicht“, gelobten dankbar die zahlreich auf der Bühne erschienenen Elternvertreter.
Und dann war es soweit: Günther Dick sprach – wie immer kurz und pointiert, ohne Pathos oder Sentimentalität – seine Abschiedsworte, die letzte öffentliche Ansprache im Amt des Schulleiters. Doch der gesellige Teil der Veranstaltung mit Sekt und O-Saft musste noch genau vier Minuten warten. So lange brauchte das Kollegium des Gymnasiums St. Leonhard, um sein Fazit zu geben und die „Lust und Last der Ära Dick“ im Zeitraffer an der Zuhörerschaft vorbeiziehen zu lassen. „So sind wir gerannt und haben geschnauft und uns dann doch noch zusammengerauft“, rappten die Pädagoginnen und Pädagogen in wahrhaft höllischem Tempo. Genau vier Minuten für „zehn Jahre lang Günthers Dicktatur“ – das entsprach so ganz dem rasanten Tempo des visionären Oberstudiendirektors.

Daumendrücken der SV
Auch über dessen weitere Zukunft konnte der „Good-bye-Chef-Rap“ Auskünfte geben: Der St.-Leonhard-Erweiterungsbau wird ihn anziehen wie ein Magnet: „Drum her mit dem Helm und den Bagger gesteuert – jetzt wirst du als Bauleiter angeheuert“, prognostizieren die Schlusszeilen des Rap.Für das Kollegium überreichte Lehrerratsmitglied Angelika Sommer folgerichtig einen zünftigen Bauhelm mit den Unterschriften der Lehrerinnen und Lehrer – eines von ungezählten individuellen Abschiedsgeschenken, zu denen auch das originelle, kunterbunte „Wir drücken die Daumen“-Bild der SV gehörte.
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